Kapitel 16: Eine zweifelhafte Mission

Aus dem Tagebuch des Ovotius, im Jahr des Herrn 1202

Nachdem der Tod von Estephan halbwegs aufgeklärt war, kehrte wieder relative Ruhe in Atrium ein. Die Magi kümmerten sich um ihre eigenen Studien und Quemada hatte gut mit den Zwillingen zu tun. Ich selbst konnte mein Wissen über den Codex unserer Gemeinschaft anhand der Texte aus Duresca gut erweitern.

Gegen Ende des Winters trafen wir uns zum Konzil, um weiteres Vorgehen zu besprechen:

Nach kurzer Abwägung wurde Morvan ex Flambeau in den Kreis Atriums formell einstimmig aufgenommen. Bei der Befragung des Wirts Thomas war er von Nutzen, und auch sonst zeigt er Wissen und gebührenden Respekt.

Ansonsten wurde die Beratung von der Gewinnung weiterer Ressourcen (in Vis und materiellen Gütern) dominiert. Ach, wie mich vor allem diese leider notwendige Diskussion über schnöden Mammon anstrengt! Hinsichtlich des Geldes kam man überein, das Bierbrauen weiterzuverfolgen und evtl. einen Käufer für die silbernen Schilde zu finden. Hassan vergaß natürlich nicht zu erwähnen, wie viel er schon an Geldmitteln zur Verfügung gestellt hätte... Er wollte seine "Quellen" weiter anzapfen und evtl. Goldschmiedearbeiten verkaufen. Weitere Vorschläge wurden nicht weiterverfolgt.

Mehr in mein Interesse rückte die Gewinnung magischer Essenz: Die mangelhaften Erträge hemmen meine Experimente doch sehr, und meinen Sodales ergeht es nicht anders!

Fionntans abgeworfene Schuppen könnten jedoch eine Vis-Quelle sein oder werden, dies wird von uns untersucht (Ishiroyas Schuppen?). Eine Expedition nach Nordafrika wurde erwogen, evtl. im Zuge der Suche nach den Büchern aus Alexandria... Es ging hin und her, und die Diskussion wurde hitziger, als wir durch ein Klopfen unterbrochen wurden...

Friedrich kündigte offenbar verstört einen Besucher an. Anhand seiner Miene erkannten wir die Lage und zögerten nicht, ihm in den Innenhof zu folgen, wo sich schon Gesinde tuschelnd versammelt hatte. Auf dem Brunnenrand stand neben der Holzstatue ein Männlein von der Größe Hassans. Dunkle Haut, ein glitzernder Mantel und ein Stab waren die äußeren Zeichen dieses Wichtes. In blumigen Latein stellte er sich als Bote der "Königin" vor, was Coinneach offenbar beeindruckte. Mich beeindruckte eher, dass der Gnom anscheinend ohne Probleme unsere Aegis durchbrochen hatte! Es stellte sich im Lauf mehrerer Wortwechsel heraus, dass es sich um einen Gefolgsmann von Elvira, der Königin des Nordwaldes, handelte, offensichtlich die Herrscherin eines Feenvolkes. Elvira möchte unsere Dienste in Anspruch nehmen: Wir sollten zum Ende der Welt reisen, um dort ein Schwert zu bergen. Der Ort stellte sich als "Finis Terrae" heraus, eine Küstenlandschaft im Westen. Das Schwert sollte angeblich in einer Höhle liegen, die von einer Steinplatte verschlossen wird, auf der ein Kreuzsymbol abgebildet ist. Die Königin benötige das Schwert in einem Krieg gegen ein anderes, böses und ungläubiges, Feenvolk, behauptete der Wicht. Sie würde sich erkenntlich zeigen, wenn der gesuchte Gegenstand in ein bis zwei Monaten beigebracht werden könnte. Zur Untermauerung übergab der Bote einen Beutel mit magischen Blumen an uns, das sich als Vis (2 Herbam, 1 Muto) herausstellte. Dies sei die Entlohnung für die gute Pflege der Statue...

Wir kamen überein, den Auftrag zunächst anzunehmen, im klaren, dass früher oder später Konflikte des Glaubens und der Moral auf uns zukämen. Wie würde der weitere Verlauf mit Kirche und Gewissen in Einklang zu bringen sein? Letztlich werden wir das noch abzuwägen haben.

Das Konzil entschied, drei Magi auf diese wichtige Mission zu entsenden und mit Schutz und Ortskunde zu versehen. Die Wahl fiel auf Coinneach, Beppo und Morvan, die sich in Ihren Ansichten und Fähigkeiten durchaus ergänzen. Emilio und Bastus sowie drei Grogs (Sancho, Vassco und Francesco) sollten sie begleiten. Sie sollten das Schwert zunächst bergen und nach Atrium bringen, dann würde man weitersehen.

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