Inspektion der Vis-Quellen, Erster Teil
Wie die jungen Magi während des Erntens einer perdo-Vis-Quelle erstmals mit der Welt des Übernatürlichen in Berührung kommen.
Während des gemeinsamen Abendessens vermeldet Darius, dass das Labor auf der Waldlichtung, das zu beziehen noch vor kurzem sein Plan war, bereits von einem anderen Magus als dessen Sanctum betrachtet wird. Bei diesem handele es sich offenbar um einen ehemaligen Kollegen Kemadas, von dem diese jedoch keine Kenntnis hat. Er habe sich als Filius von Notatus zu erkennen gegeben und gehe dort nicht etwa, wie gemein hin angenommen, spukend ein- und aus, sondern sei lediglich für die längste Zeit des Tages unsichtbar und fröhne in dieser Form seinen Studien. In jedem Fall benötige Darius nun ein anderes Labor, das er in Form des vierten Eckgebäudes innerhalb der Mauern Atriums findet.
Kemada schlägt vor, dass die erste Amtshandlung der neuen Magi die Inspektion der, von Atrium für sich beanspruchten, Vis-Quellen sein sollte. Jeder von ihnen sollte wissen, wo diese zu finden seien und wie man ihrer habhaft würde. Zu diesem Zweck werden die Magi mit Friedrich bekannt gemacht, einem erfahrenen Mann mittleren Alters, der sich als Ansprechpartner für die hiesigen Grogs und Reisebegleiter für die jährlichen Vis-Ernten herausstellt.
Friedrich gebietet zu diesem Zweck über vier weitere junge Männer, die ihm während der rund dreiwöchigen Reise bei den diversen anfallenden Tätigkeiten zur Hand gehen. Hierbei handelt es sich um Francesco, der von Friedrich selbst angelernt wird, Marcus, einem nachtaktiven Südländer, Sancho einem muskulösen, grobschlächtigen Schmied sowie einem vierten Grog, der sich während der Reise jedoch in keinster Weise hervortut.
Ihr Weg führt die Reisenden zunächst auf der Römerstraße in östliche Richtung, wo sie, kurz vor dem Erreichen San Diagos, von der Straße gen Süden abbiegen und ihren Weg auf einem Trampelpfad fortsetzen, der sie fortan durch eine hügelige, bewaldete Landschaft führt.
Nach einem Nachtlager mitten in der Wildnis, das seiner Unbequemlichkeit und des mangelnden Komforts wegen dem Großteil der Magi sichtliches Unbehagen bereitet, führt Friedrich die Reisenden zu einer großen Eiche, unter der zahlreiche große Vertreter der Gattung amanita muscaria im Schatten gedeihen. Einige der Fliegenpilze enthielten Perdo-Vis, so Friedrich, und seien von den Vorgängern der Magi hier an Ort und Stelle geerntet worden. Welche Kandidaten dies seien, vermag er nicht zu sagen.
Hassan, der ein Händchen für das Bestimmen der Eigenschaften von Dingen zu haben scheint, wählt kurzerhand drei der Pilze aus. Coinneach bestätigt die, den ausgewählten Kandidaten inne wohnende, magische Natur. So ist der Aufenthalt unter der Eiche letztlich nur von erfreulich kurzer Dauer und man zieht bereits wenig später von dannen, um sich der nächsten Quelle in der nahe gelegenen Stadt Lubo zuzuwenden.
Während seiner Nachtwache nimmt Francesco einen fürchterlichen Geruch war, der von den Pilzen zu stammen scheint. Er hängt den Tragebeutel fürsorglich an einen Ast außerhalb des Lagers. Als er Bewegung in dem Beutel wahrzunehmen glaubt, weckt er angsterfüllt die Magi. Wie sich herausstellt, lässt sich der penetrante Geruch selbst mit magischen Mitteln nicht vertreiben, was eine genauere Untersuchung der Pilze zwingend erforderlich macht.
Zum Vorschein kommt nach einiger Zeit ein winziges Männchen, das sich Annaud nennt und das in einem der drei Pilze sein Heim errichtet hat, eine Behausung, die nun sang- und klanglos entwurzelt- und davon getragen worden sei. Da man es sich mit dem Volk der Anderen, dem der kleine Wicht ganz offenbar angehört, nicht verscherzen möchte, bietet man ihm an, ihn zurück zur Eiche zu bringen, um dort nach einer passenden Ersatzbehausung für ihn zu suchen - ein Angebot, dem Annaud gerne zustimmt.
Der hehre Plan erweist sich als leichter gesagt als getan, denn keiner der Anwesenden ist geübt im Umgang mit den filigranen Strukturen, die die Pilze aufweisen. Während Hassan und Sancho damit beschäftigt sind, aus Holz kleine Möbelstücke und Miniaturmobiliar für die zukünftige Behausung Annauds herzustellen, macht sich Ovozius mit magischen Mitteln ein Bild von dem Interieur der derzeitigen Behausung, um dieses nach mehreren - und mehr und mehr verzweifelten - Anläufen schließlich auf einen der gewöhnlichen Fliegenpilze zu duplizieren.
Alles in allem scheint Annaud mehr als glücklich mit seinem neuen- und überdies geschmackvoll eingerichteten Heim zu sein. Nichtsdestotrotz ist er scharfsinnig genug, um die Gunst der Stunde zu erkennen und zusätzlich eine Badewanne voller Schnaps für sich heraus zu handeln. Diese manifestiert sich in einem aufgefalteten Blatt, das etwa die Größe einer Streichholzschachtel besitzt.
Frohen Mutes und in der Bestimmtheit, großes diplomatisches Geschick bewiesen zu haben, lassen die Magi den Wald hinter sich, um sich der Stadt Lubo zuzuwenden.