Kapitel 21: Im Würgegriff des Schinders

Der Anführer der Wegelagerer lässt von den wenigen Unverletzten den ausgebrannten Wagen von der Straße schaffen und einige hundert Meter abseits der Straße ein provisorisches Lager aufschlagen, in dem die Verletzten beider Seiten zusammen getragen werden. Die drei Magier werden in jeweils zehn Metern Abstand von einander mit Lederriemen an Bäume gefesselt, um dort bei Anbruch der Dämmerung langsam wieder zu sich zu kommen.

Der Gastgeber, ein selbstbewußter Mann im Lederschuppenpanzer, stellt sich als De Marcus vor. Er gibt sich zu den Fragen, wer er sei, in wessen Auftrag er handele und was er eigentlich wolle, reserviert. Immerhin lässt er verlauten, dass seine Absichten dem geborgenen Schwert gelten. Seine Ausführungen deuten vage darauf hin, dass er einer Partei angehört, deren Wechselspiel mit der Order of Hermes im allgemeinen eher ein feindseeliges ist. Er räumt ein, dass es einem der Magier durchaus gelingen könnte, sich aus dem Lager zu stehlen, dass jeder Fluchtversuch für die verbleibenden Kameraden jedoch unangenehme Konsequenzen nach sich zöge. Allen weiteren Fragen nach seinen Plänen versperrt er sich.

Bereits nach kurzer Zeit sendet er einen Boten aus, der vermutlich seine Auftraggeber von seinem Coup in Kenntnis setzen soll. Morvan gestattet er, sich um die Verletzten zu kümmern, die seiner Hilfe allesamt dringend bedürfen.

Nachdem die Sonne gänzlich unter gegangen ist, pirscht sich Fionntan an Coinneach heran, der ob der Freiheit des Drachen erleichtert aufatmet. Dennoch wird der Merinita der Situation mehr und mehr überdrüssig - insbesondere die eng verknoteten Halteriemen peinigen ihn - und veranlassen ihn schließlich, sich ihrer auf magischem Wege zu entledigen. De Marcus wird auf ihn aufmerksam und stellt ihn zur Rede, was Coinneach noch nicht all zu sehr beunruhigt. Seine Unruhe wächst zunehmend, als De Marcus daraufhin die Wache anweist, den Gefangenen in Ketten zu legen - eine Äußerung, die Coinneach dazu veranlasst, schnellstens die Flucht zu ergreifen. De Marcus ist schneller. Er übermannt den Flüchtigen nicht zuletzt unter Zuhilfenahme einer Aura der Furcht bereits nach wenigen Augenblicken, streckt ihn nieder und lässt ihn in Ketten legen. Die Zeit reicht nicht aus, als dass Morvan und Beppo effektiv ihre eigene Flucht hätten umsetzen können.

Coinneach wird mehr hängend als stehend erneut an seinen Baum gekettet und De Marcus nimmt mit einem zufriedenen Lächeln demonstrativ vor dem gedemütigten Magus Platz. An den Stellen, wo das kaltgeschmiedete Metall Coinneachs Haut berührt, beginnt schon nach kurzer Zeit eine allergische Reaktion einzusetzen, die ihm anfangs noch zu einem Wimmern und Winseln veranlasst, ihn später jedoch in tiefe Bewußtlosigkeiten sinken lässt.

Fionntan, der Coinneach nicht erreichen kann, ohne selbst gesehen zu werden, pirscht sich nun an Morvan heran. Der Flambeau hat zunächst Schwierigkeiten, die monologe Konversation mit dem Drachen in Gang zu bringen und bittet ihn schließlich, Hilfe in Atrium zu holen. Fionntan quittert das Anliegen des Magus nach einiger Zeit damit, indem er sich umdreht und im Wald verschwindet.

Am nächsten Tag, dem 16. April, gestatt De Marcus Morvan abermals, kurz seine Kameraden zu versorgen. Auch werden den Gefangenen, einem nach dem anderen, jeweils kurz die Fesseln abgenommen, um Essen zu fassen. Darüberhinaus gibt sich der Fremde unnahbar und stumm. Die verletzen Kämpfer - Bastus, Emilio, Francesco und Sancho - kommen zu sich, sind jedoch außer Stande, sich zu bewegen, geschweige denn, aktiv an einer Flucht teilzunehmen. Coinneachs dahinsiechender Zustand verschlechtert sich Tag für Tag.

Auf diese Weise vergehen fünf Tage.

Nach dieser Zeit erreicht Fionntan Atrium, wo er von einem Grog gefunden- und vor die versammelten Magier gebracht wird. Ovotius nimmt telepatischen Kontakt mit dem Drachen auf und nimmt undeutliche Bilder von Gefahr und Schmerz war, die im Zusammenhang mit den Magiern aus Finis Terrae stehen. Auf verbale Rückfrage erfährt Ovotius, dass sich die Magier an einem Ort rund fünf Tage westlich von Atrium befinden.

Ovotius und Hassan stellen kurzerhand einen Trupp zusammen, der neben ihnen selbst, Friedrich und Jose auch Soazig und ihre Söldner umfasst. Mit einem Karren, auf dem die beiden Magier und die Ausrüstung Platz finden, machen sie sich im Eilmarsch in Richtung Finis Terrae auf.

Währenddessen handelt Morvan mit De Marcus aus, Coinneachs Haut unter den Ketten mit Stoff abpolstern zu dürfen, was immerhin dafür sorgt, dass sich die unangenehme Reaktion, mit der die mittlerweile in Streifen hängende Haut des Merinita auf das Eisen reagiert, eingedämmt wird. Zu dieser Zeit wird die Besatzung der Wachen durch sechs frische Männer verstärkt.

Kurze Zeit später tauchen vier Ritter auf Rössern auf, die von zwei Nonnen auf Eseln begleitet werden. Ihr Anführer spricht mit De Marcus unter vier Augen, was dazu führt, dass dieser einlenkt, die Verletzen durch die Nonnen behandeln zu lassen. Zwischen De Marcus und dem Ritter kommt es zu einer hitzigen Diskussion, die zur Folge hat, dass das Lager abgebrochen wird und die Verletzten auf die Reittiere verteilt werden. Dann bewegt sich der Trek in Richtung Osten und steuert schnurstraks auf Santiago de Compostela zu, eine Reise, die die nächsten anderthalb Tage in Anspruch nimmt.

Am 21. April erreicht man Santiago und nimmt Kurs auf das Ordensquartier der Ritter des heiligen Jakob, wo die Angehörigen Atriums zunächst im Kellerverlies einquartiert werden. Diese Unterbringung währt jedoch nicht lange. Etwa eine Stunde später lässt Helmut, der Vorsteher des Ritterordens, die Verletzten in das Erdgeschoss bzw. direkt in ein Hospital der Schwestern der Stille verlegen. Er tritt mit den drei Magiern zusammen und erläutert ihnen die Lage. Coinneach, der an keinerlei Konversation mit dem Kirchenbruder interessiert ist, macht von seiner neu errungenen Freiheit Gebrauch, entschuldigt sich und schleppt sich aus der Stadt, um außerhalb mehrere Tage lang vergeblich nach Fionntan zu suchen.

Helmut berichtet Morvan und Beppo, dass eine Nonne des Ordens eine Vision gehabt habe, woraufhin zahlreiche Kleintruppen in sämtliche Richtungen ausgesandt worden seien, von denen eine schließlich fündig geworden sei. De Marcus sei eine zwielichtige Person und es bestünde Anlass zum Verdacht, dass er bereits mehrere ähnliche Überfälle verübt habe. Helmut ist bestens darüber informiert, um welches Artefakt es sich bei dem geborgenen Schwert handele und wer die Magier seien, woraufhin die von letzteren zunächst krampfhaft aufrecht erhaltene Facade fallen gelassen wird und man offen miteinander spricht.

Helmut gedenkt, De Marcus, den er möglicherweise mit dunklen Mächten im Bunde glaubt, während der nächsten Tage eingehend zu befragen und lädt die Magier ein, hierbei anwesend zu sein, was Morvan dankend annimmt. Beppo zieht es vor, mit Vassco schnellstmöglichst nach Atrium zu reisen, um den anderen Magiern von der erschreckenden Entwicklung der Ereignisse zu berichten. Sie treffen schon bald auf die westlich ziehende Truppe von Ovotius und Hassan, was dazu führt, dass die fusionierte Gruppe schließlich nach Santiago reist, um den Ermittlungen der Kirche beizuwohnen.

Bereits auf dem Weg zurück in die Stadt keimen heftige Diskussionen darüber auf, inwieweit die jüngsten Ereignisse den erfolgreichen Transport des Schwertes nach Atrium tangieren und ob man das Schwert nicht doch lieber der Kirche, als der Königin des Nordwaldes aushändigen solle. Zurück in Santiago wohnt auch Morvan dieser Diskussion bei und fügt hinzu, dass De Marcus zwischenzeitlich tatsächlich als eine Art Dämon- oder von einem solchen besessener Mensch entlarvt worden sei. Das "Problem" sei von der Kirche jedoch "erledigt" worden, was die Erörterung um den Verbleib des Schwertes weiter anheizt.

Francesco tritt an Beppo heran und bittet ihn, seinen unmittelbar vorgesetzten Herrn, ihn von seinen Pflichten in Atrium zu entbinden, sodass er als Träger des heiligen Schwertes in den Orden des heiligen Jakob aufgenommen werden könne - ein Wunsch, den Beppo stellvertretend für Atrium gewährt.

Auch diese Entwicklung schürt die Diskussion erneut, denn soviel Glück man Francesco auf seinem neuen Weg auch wünsche, sei doch noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, wie nun mit dem Schwert zu verfahren sei. Die Stimmen der noch vor Ort durchgeführten Abstimmung sind folgende:

Dies führt am Ende dazu, dass sowohl Francesco, als auch das Schwert in Santiago verbleiben und somit dem Einfluss der Kirche unterstellt werden.

Am ersten Mai treffen die Magier in den heiligen Hallen des Covenants zu einer großen gemeinsamen Erörterung der Sachverhalte zusammen. Auch Coinneach hat mittlerweile seinen Weg zurück nach Atrium gefunden, wo er auch auf Fionntan trifft und ihn überschwänglich in die Arme schließt. Die Diskussion verläuft ruhig und sachlich. Dennoch wird eine unterschwellige Spannung in den Reihen der Sodales aufgebaut, die von unterschiedlichen Standpunkten getragen wird:

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