25. Kapitel: Unverhoffte Beute

Auch während der Reise im südlichen Teil Iberiens, der weitestgehend von arabischer Kultur geprägt ist, versucht die Gruppe, sich von Städten und Orten größerer Menschenmengen fern zu halten und behält weiterhin den eingeschlagenen Südkurs in Richtung Sevilla bei. Carlos und Bastus scheinen gut mit einander zurecht zu kommen, während Vassco sich gegenüber dem Fremden nach wie vor vergleichsweise reserviert verhält.

Einige Tage nach Überqueren des Grenzflusses erreicht man eine größere, von einer hohen Mauer umgebene, Herberge, die aufgrund der saisonalen Belegung aus allen Nähten zu platzen scheint. Hassan und Pepo ergattern dankbar das letzte freie Zimmer. Die Stimmung in der Gaststube ist heiter, was es insbesondere für Carlos trotzt der sprachlichen Barrieren einfach macht, sich unter die Anwesenden zu mischen.

Gegen Abend -- die beiden Magier haben sich bereits auf ihr Zimmer zurück gezogen -- strömen mehrere Personen-, die offenbar Teil einer größeren Reisegruppe sind, in die Gaststube und steuern zielgerichtet auf den Wirt zu. Dieser gerät ins Schwitzen und muss sich schließlich dem Anliegen der Neuankömminge beugen, die dies zum Anlass nehmen, die Ankunft des Bey auszurufen und die Anwesenden barsch zum Räumen der Gaststube aufzufordern. Alsbald betritt ein kleinwüchsiger, betuchter Mann den Schankraum, der von mehreren Dutzend Dienstboten, Lakaien und Begleitern umsorgt wird. Bei dieser Gelegenheit beobachtet Carlos zwei auffällige Personen, die sich, verstohlen umblickend, mit einander unterhalten. Sie scheinen keine direkten Bediensteten des Bey zu sein, könnten ihrer Erscheinung nach jedoch aus seinem niederen Gefolge stammen.

Kurze Zeit später, der ein intensives Verhandeln des Wirts und seiner Bediensteten mit den übrigen Herbergsgästen vorausgeht, wandert der Bey mit seiner Gefolgschaft Mann für Mann in die oberen Etagen der Herberge ab. In diesem Zusammenhang klopfen Bedienstete der Herberge auch an die Türe der beiden Magier, um sie untertänigst zu bitten, ihr Zimmer für die Gefolgschaft des Bey zu räumen. Hassan ist empört und macht seinerseits auf seine Verbindung zur Obrigkeit im Süden des Landes aufmerksam. Auf diese Weise gelingt es ihm, für sich und Pepo zumindest einen Aufenthalt in einer Kammer des hiesigen Gesindehauses heraus zu handeln, die den beiden Gästen eiligst zur Verfügung gestellt wird. Die Kammer ist eng und wenig luxuriös, erweist sich jedoch trotz ihrer kargen Ausstattung als sauber und ruhig. Bastus und Carlos gesellen sich nach einem Würfelspiel zu den zahlreichen weiteren Reisenden, die provisorisch in der Schankstube untergebracht werden. Vassco liegt unter dem Vordach des Gesindehauses und Marcus rollt sich unter dem Wagen in der Gepäckscheune zusammen.

Während der Nacht vernimmt Carlos Schritte auf der Treppe, die zu den oberen Etagen führt. Wenig später nimmt er im Halbdunkel die beiden Verdächtigen wahr, die, aus der oberen Etage kommend, die Gaststube betreten. Sie navigieren durch die Leiber der Schlafenden und verlassen den Raum durch die Vordertüre. Die beiden Männer gehen hierbei äußerst leise zu Werke, vermögen damit Carlos' scharfem Gehör jedoch nicht zu entgehen. Die Tatsache, dass ihnen der Galizier auf Zehenspitzen folgt, entgeht ihnen vollständig. Die beiden Männer nähern sich leise dem Gesindehaus, woraufhin auch Vassco erwacht und sich demonstrativ erhebt. Dies nehmen die beiden zum Anlass, scheinbar teilnahmslos abzudrehen und sich der Gepäckscheune zu nähern. Vassco folgt ihnen und beobachtet, wie sie sich hinter dem prunkvollen Wagen des Bey zu schaffen machen. Nach einiger Zeit verlassen sie die Scheune und kehren in das Haupthaus zurück. Vassco informiert Marcus über die beiden Männer und weist ihn an, verschärft auf das Gepäck der Magier acht zu geben, um daraufhin selbst wieder zu seinem Schlafplatz vor dem Gesindehaus zurück zu kehren.

Keiner der Männer wird auf Carlos aufmerksam, der, geschickt von Schatten zu Schatten huschend, das Ganze ebenfalls beobachtet hat. Ohne dass Marcus davon Notiz nimmt, untersucht er den Wagen des Bey, kann dort jedoch nichts Außergewöhnliches feststellen. Er kehrt daraufhin ebenfalls in das Haupthaus zurück und schleicht über die Treppe in die obere Etage, in der die Gefolgschaft des Bey untergebracht ist. Er findet die beiden offiziellen Wachposten-, die vom Wirken der beiden Nachtwandler offenbar nicht das Geringste mitbekommen haben, schlafend vor. Die letzteren selbst sieht er in einer der Türen des selben Stockwerks verschwinden. Da sich in der oberen Etage nichts Auffälliges findet, kehrt Carlos schließlich zu seinem Schlafplatz zurück.

Er erwacht einige Stunden später abermals, um einen Blick auf die beiden Verdächtigen zu erhaschen. Einer der beiden Männer ist offenbar über einen der schlafenden Gäste gestolpert, dessen wildes Fluchen die beiden dazu veranlasst, rasch über die Treppen nach oben zu eilen. Wie es scheint, kamen sie aus Richtung der Eingangstüre, was den Verdacht auf ihre, wie auch immer gearteten, mysteriösen Aktivitäten zusätzlich unterstreicht.

Der Morgen graut. Beim Durchsuchen seiner Habe findet Pepo einen kleinen Beutel, der allerlei Schmuck enthält. Er zeigt ihn Hassan, dessen fachmännische Expertise den Schmuck eindeutig als überaus wertvolles Machwerk identifiziert -- Schmuck, wie ihn nur sehr reiche Männer besitzen. Den beiden ist sofort klar, dass sie bei Auffinden des Beutels in große Schwierigkeiten geraten werden und dass sie jemand mit genau dieser Situation zu kompromitieren versucht. Sie befragen Vassco, ob er des nachts etwas Auffälliges beobachtet hat, woraufhin ihnen der Zimmermann von den beiden merkwürdigen Männern berichtet. Die Magier wittern eine Verschwörung und fühlen sich zu schnellem Handeln gedrängt.

Pepo lässt den Beutel daraufhin auf magische Weise optisch verschwinden, woraufhin Hassan den unsichtbaren Gegenstand in der Nähe des Donnerbalkens deponiert, um bei einem späteren Auffinden den Anschein zu erwecken, der Schmuck sei dort achtlos abgestellt worden. Kurze Zeit später beobachten die Magier, wie das Hoftor verriegelt wird und einige der Wachen des Bey davor postiert werden. Auf Nachfrage Hassans wird ihm von den Wachposten erklärt, dass während der Nacht ein Diebstahl begangen worden sei und dass bis zum Auffinden des Täters niemand das Anwesen verlassen dürfe.

Die selbe Verlautbarung-, inklusive der Anordnung, dass sämtlicher Personenverkehr vorläufig eingestellt sei, wird wenig später in der Gaststube proklamiert, was für lautstarken Aufruhr auf der Seite der anwesenden Händler sorgt. Die beiden Magier informieren die Grogs über die derzeit bekannten Fakten und schärfen ihnen ein, in dieser Sache gänzliches Stillschweigen zu bewahren. Carlos teilt bei dieser Gelegenheit mit, die beiden Verdächtigen des nächtens ebenfalls beobachtet zu haben und weist dabei unauffällig in die Richtung, in der die beiden in einigen Metern Entfernung am Frühstückstisch sitzen.

Im Verlauf des Tages werden sämtliche Zimmer der Herberge, inklusive der Kammer der Magier, von den Wachposten des Bey akribisch durchsucht, ohne dass hierbei irgendein Anhaltspunkt zu Tage gefördert würde. Die einzige Entschädigung für die murrenden, auf Aufbruch drängenden, Gäste ist das fürstliche Essen, mit dem sie während ihres Aufenthaltes bewirtet werden.

Carlos rückt den beiden Nachtwandlern zu Leibe, indem er sie auf galazisch mit verschiedenen Andeutungen konfrontiert. Die beiden Männer zeigen jedoch keinerlei Reaktion auf diese Sticheleien.

Am Nachmittag herrscht plötzlich großes Geschrei in der Gaststube. Einer der Wachposten überreicht dem befehlshabenden Offizier ein unsichtbares Etwas, das dieser vor den Augen der Anwesenden auf einem Tisch untersucht und letztlich öffnet. Zum Vorschein kommt das gesuchte Diebesgut, von dem, wie der Offizier verkündet, jedoch ein wertvolles Stück fehle. Die anwesenden Gäste sind fassungslos und dem Entsetzen nahe, hat man es hier doch ganz offenbar mit Teufelswerk zu tun. Carlos, der die beiden Nachtwandler während der Enthüllung nicht aus den Augen lässt, liest in ihren Gesichtern ebenfalls Zeichen der Verwunderung. Der Offizier postiert zusätzliche Wachen an sämtlichen strategischen Türen des Anwesens und lässt im Verlauf des verbleibenden Tages die Durchsuchung mit noch größerem Nachdruck fortsetzen.

Hassan und Pepo beschließen, die beiden Nachtwandler zur Rede zu stellen. Zu diesem Zweck macht letzterer ersteren unsichtbar und überlässt ihm eines seiner Haare, um auf diese Weise eine arkane Verbindung zu ihm herzustellen. Hassan, nicht faul, führt an sich (s)ein komplettes Arsenal an Muto-Corpus Sprüchen durch, um seinen Körper für die bevorstehende Unternehmung zu stählen. Als Pepo wenig später die vor dem Gesindehaus postierten Wachen passiert, um, wie er ihnen zu verstehen gibt, noch einmal kurz in die Gaststube zu gehen, schlüpft Hassan mit ihm unsichtbar ins Freie und stellt sich unter das Fenster, das Carlos ihm als zu dem Zimmer der Verdächtigen zugehörig beschrieben hat. Mit der Macht der Magie erhebt er sich ungesehen in die Luft und verharrt vor dem Fenster der Verdächtigen, um zu lauschen. Nichts Auffälliges wahrnehmend, schwebt er weiter empor und klettert auf das Flachdach des Hauses. Auch unter Zuhilfenahme seiner übernatürlichen Hundeohren kann er während seines Verweilens über mehrere Stunden hinweg keinerlei verdächtige Geräusche im Haupthaus wahrnehmen. Er entschließt sich daher schweren Herzens, sich über die etablierte arkane Verbindung in die Kammer zurück zu teleportieren, wo er Pepo kurz über den Verlauf der Aktion in Kenntnis setzt.

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