Kapitel 28: Behaarte Pfeffersäcke
Wie die Mächtigen und Reichen Lugos für die Dauer einiger Tage Opfer persistenten Haarwuchses werden.
Lantos, der in Lugo und Umgebung unter dem Namen Guy de Lurroc bekannt ist, wird von einem reichen Patrizier der Stadt zu einem Empfang eingeladen, bei dem auch viele andere wichtige Adelige und Reiche zugegen sind. Es wird guter Wein ausgeschenkt, nach dessen Einnahme sämtliche Anwesenden inklusive des Hausherrn merkwürdige, ja gerade haarsträubende, Symptome an den Tag legen: sie werden fortan von einem übermäßigen, nicht enden wollenden, Wuchs von Haupt- und Barthaar geplagt, dem auch durch extensives Rasieren nicht beizukommen ist.
Auf Lantos Geheiß hin lässt der Hausherr nach einer Alchemistin schicken und weist sie an, nach einer Erklärung für dieses außergewöhnliche Phänomen zu suchen. Die alte Kräuterfrau bestätigt, dass tatsächlich der Wein für den Haarwuchs verantwortlich ist. Leider kann sie lediglich feststellen, dass es sich um eine „übernatürliche” Ursache handelt, der mit althergebrachter Weisheit und mondänen Hausmitteln nicht beizukommen ist. Während sich die Crème de la Crème Lugos in alle Winde zerstreut und verzweifelt in die Nacht hinauseilt, um sich fortan zu Hause hinter verschlossenen Türen vor den Blicken des Pöbels zu verbergen, schickt Lantos Raoul, seinen Dienstboten, nach Atrium, um dort von Quemada Hilfe zu den entwürdigenden Zuständen zu erbitten.
Raoul eilt zu Pferd auf schnellstem Wege nach Atrium, um umgehend die Depêche seines Herrn zu überbringen. Er wird von Sancho empfangen und direkt an Quemada weitergeleitet, als der Name Lantos genannt wird. Quemada verspricht, sich der Sache anzunehmen, bittet jedoch, da die Umstände keine Verzögerung gestatten, Morvan mit Sancho voraus zu reiten, während sie selbst zu Fuß nachkommen wird. Morvan willigt ein, was dazu führt, dass der Magus erstmals auf den Rücken eines Pferdes steigt. Nachdem Sancho dem Tier gut zugesprochen hat, reitet der Flambeau gemeinsam mit ihm und Raoul geradewegs nach Lugo. Im Zitronenhain treffen sie Emilio, der die günstige Gelegenheit nutzt, um seiner Herberge für einige Tage den Rücken zu kehren und mit den Angehörigen Atriums in die Stadt zu reisen.
Morvan sucht umgehend Lantos auf und kann sich damit selbst ein Bild von dem übernatürlichen Haarwuchs machen: Bart- und Haupthaar reichen dem fremdländischen Aristokraten bis zu dessen Hüfte. Mit Konzentration und Fingerspitzengefühl (sowie reichlich Geduld gegenüber den bissigen Bemerkungen seines Gastgebers) gelingt es Morvan, das Haar fachgerecht zu entfernen (perdo corpus) und die entsprechenden Körperpartien zu heilen (creo corpus). Er sieht geflissentlich von seinem ursprünglichen Vorhaben ab, dem Problem mit den bevorzugt eingesetzten Bordmitteln eines Flambeau beizukommen.
Nachdem sich der Comte de Lurroc wieder öffentlich in den Straßen der Stadt zeigen kann, ohne sofort zum Gespött der Leute zu werden, machen sich er, Morvan und Emilio auf den Weg zu seinem Gastgeber. Er erklärt dem verzweifelten Mann, dass die Lage nicht völlig aussichtslos sei, wie man wohl an ihm selbst sehe, dass die vollständige Klärung der Umstände jedoch noch einige Nachforschungen seines involvierten Experten, Morvan, erfordere. In Aussicht auf ein baldiges Ergebnis lässt der Hausherr den Besuchern quasi freie Hand in seinem Haus.
Morvan lässt sich zunächst die Küche zeigen, wo das Weinfass gut verwahrt untergebracht ist. Die Bediensteten werden nach einer eingehenden Befragung kurzer Hand hinaus zitiert. Während Morvan noch angestrengt reflektiert, mit welchen Mitteln er seine hermetische Analyse des Traubensaftes fortsetzt, zupft ihn ein kleines Männchen am Bein und stellt sich ihm als Sebastian vor. Er sei ein Heinzelmännchen und seit drei (Menschen-)Generationen für die Sauberkeit des Haushalts im allgemeinen sowie der Küche im besonderen zuständig. Auf Nachfrage erklärt er, tatsächlich für den übermäßigen Haarwuchs der Gäste verantwortlich zu sein. Als Grund dafür gibt er an, dass man ihm auf Geheiß des Hausherrn hin neuerdings die ihm zustehende Milch vorenthielte, was er zum Anlass genommen habe, seiner Empörung durch diese augenscheinliche Veränderung Ausdruck zu verleihen. Natürlich sei er in der Lage, dies jederzeit rückgängig zu machen, sofern Sorge dafür getragen werde, dass er seine Milch wieder erhält.
Mit dieser unerwarteten Wendung der Ereignisse können die Ermittlungen vergleichsweise schnell zum Abschluss gebracht werden, wobei Lantos Morvan bittet, bis auf weiteres als sein Gast in der Herberge Zum Apfelbaum unter zu kommen, um selbst noch einige administrative Tätigkeiten wahrnehmen zu können. Ahnend, dass der berechnende Lantos nichts Gutes im Schilde führt, sträubt sich der Magus zunächst gegen diesen Vorschlag, lenkt nach anfänglichem Zähneknirschen schließlich jedoch ein, einen weiteren Tag bis zu Quemadas Ankunft in Lugo zu verweilen.
Lantos nutzt diese Zeit, um den Adeligen Lugos diverse Versprechen abzuringen, bevor sie von dem Fluch des Haarwuchses befreit werden können. Immerhin handele es sich hierbei um eine Sache, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte, schränkten sie den Handlungsspielraum der Elite Lugos doch in beträchtlichem Maße ein. Auch der Hausherr lenkt schließlich ein, Sebastian fortan wieder mit Milch zu versorgen. Wie durch ein Wunder wird der Fluch alsbald von sämtlichen ehemaligen Opfern genommen.
Quemadas Ankunft in Lugo führt zu einem kurzen Gespräch mit Lantos, im Verlaufe dessen die beiden die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Atrium und Lugo im gegenseitigen Einvernehmen bekräftigen.