Kapitel 29
An des Königs Tafel
Die Heldengruppe, bestehend aus den Magiern Hassan und Pepo Luciano, sowie ihren Begleitern Bastus, Marcus, Wasco, Carlos und dem Stallknecht Abu Wissam, waren auf dem Weg zum König der Südlande, um die verschwundenen Pferde von Muhammad Larim zu finden.
Nachdem man die Flußüberquerung, mittels der Lösung eines Rätsels von drei Wölfen, auf einer Fähre geschafft hatte, folgte die Gruppe dem eingeschlagenen Weg weiter. Es war eine Vollmondnacht und die Sicht akzeptabel, weswegen man bis zum Monduntergang so gegen Mitternacht weiter wanderte. Dann schlug man ein Lager auf und zog erst am Morgen weiter.
Nach nur wenigen Stunden erreichte man eine Felswand, die das weiter kommen verhinderte. Der Weg schien direkt in die Felswand zu führen. Auf dieser Wand war ein Ring, der in acht Abschnitte unterteilt war, von welchen der Oberste rot angestrichen war. Vor dem Ring, auf dem Boden, waren acht Versenkungen, von denen die eine, welche sich am nähesten zur Felswand befand, Kreisrund war und mit zwei roten Blumen in einem runden Topf besetzt war, die anderen sieben Versenkungen waren oval und ergänzten die runde Versenkung zu einem Kreis. Dieser war von der Ausrichtung ganz ähnlich dem des Ringes an der Wand. Neben dem Kreis der Versenkungen am Boden, waren ebenfalls ovale Blumentöpfe mit jeweils zwei verschieden farbige Blumen in einer Reihe aufgestellt.
Es waren vier kleine ovale Töpfe die etwa halb so goß waren, wie die Versenkungen im Boden und 5 größere ovalen Töpfe, die genau hinein passten.
Die Farben der Blumen waren folgendermaßen:
- die vier kleinen ovalen Töpfe hatten
weiß-gelb, weiß-blau, gelb-rot, rot-schwarz
- die fünf großen ovalen Töpfe hatten
gelb-grau, hellblau-dunkelrot, weiß-dunkelblau, dunkelgelb-blau, grün-dunkelrot
Nach genauerer Untersuchung fand Hassan heraus, daß man die größeren Blumentöpfe teilen konnte, wodurch aus jeweils einem großen, zwei kleine ovale Blumentöpfe entstehen, mit anders farbigen Blumen.
Bei Trennung aller großen Blumentöpfe erhielt man folgende zehn Töpfe:
gelb-weiß, gelb schwarz, weiß-rot, blau-schwarz, weiß-blau, weiß-schwarz, gelb-blau, schwarz-blau,
gelb-schwarz, blau-rot
Durch zusammen bringen von zwei kleinen ovalen Töpfen, ergab sich ein großer ovaler Topf mit zwei Blumen, die eine Mischfarbe aus den Blumen der zwei kleineren Töpfe hatten.
Ein Beispiel dazu:
blau-schwarz und weiß-rot ergibt hellblau-dunkelrot, wenn man die kleinen ovalen Töpfe in der weise kombiniert, daß die weiße Blume neben die blaue kommt und die rote neben die schwarze Blume.
Alle aus der Gruppe überlegt angestrengt, was und wie man dieses Rätsel lösen könnte. Es wurden die verschiedensten Blumentöpfe kombiniert und immer wieder neue Farben dadurch erstellt. Bastus der abseits Wache schob, bemerkte zwei Füchse die neugierig zusahen, was die Fremden in ihrer Gegend machten. Als die Füchse die Diskussion längere Zeit verfolgt hatten, wunderten sie sich, ob die Neuankömmlinge wohl noch nie was von dem Ring der verschiedenen Farben gehört hatten. Auch erwähnten die Füchse, etwas von einem Dominoprinzip, welches dem Ring zu Grunde liegen würde. Dies erzählte Bastus den Freunden und schnell hatte man jede Vertiefung nach dem Dominoprinzip mit jeweils einem kleinen ovalen Topf besetzt, so dass jeweils die gleichen Farben auf zwei nebeneinander liegenden Töpfen vorkamen. Anschließend ergänzte man die Vertiefungen mit den restlichen Blumentöpfen in der Weise, dass immer wieder zwei neue Farben entstanden. Als dies geschehen war, leuchtete der Ring auf und die Wand schob sich zur Seite.
Frohen Mutes schritt man den Weg weiter und erreichte eine Brücke. Auf dieser Stand ein mehrere Meter großer Golem, der den Weg versperrte. Wenn man in seine Nähe kam, sagte er immer wieder an jeden persönlich gerichtet: "Sprich was ist Euer Begehr". Ohne auf Details einzugehen, ließen die Antworten der einzelnen Gruppenmitglieder einen tiefen Einblick in die verborgenen Wünsche einiger Personen zu. Hassan versuchte sich hinüber zu teleportieren, was aber mißlang. Es mußte an einer unsichtbaren sehr mächtigen magischen Barriere liegen, da auch das umgehen oder das über den Golem klettern nicht möglich war.
Als an Pepo die Frage zum wiederholten Male gestellt wurde, antwortete er mit: "Was ist Euer Begehr", woraufhin der Golem zur Seite ging. Als kurz darauf alle das Passwort gesagt hatten und sich auf der anderen Seite befanden, folgte man dem Weg weiter.
An einer unbeschilderten Weggabelung ankommend, nicht wissend welcher Weg zum König führte, fragte Hassan eine Amsel nach dem Weg. Da stellte es sich wiederum als Vorteil heraus, dass in den Feenlanden auch Tiere sprechen können, so konnte ihm die Amsel den Weg weisen.
Nach etlichen Kilometern erreichte man einen Exerzierplatz auf dem ganze Reiterbrigaden den Formationskampf übten. Als die Gruppe näherkam, wurden aufgrund der Ausstrahlung der beiden Magier ein paar Pferde unruhig. Dies motivierte einen Soldaten namens Heynel, sich der Heldengruppe zu nähern und nach ihrem Grund ihrer Anwesenheit zu fragen. Hassan fragte ganz forsch nach dem König und wo er ihn finden könne. Ihm wurde gesagt, dass sich der König der Südlande gleich auf der anderen Seite des Platzes an einem Tisch befinden würde. Die Magier und ihre Begleiter umrundeten den Platz und erreichten ohne weitere Hindernisse den König der Südlande, wie er gerade mit seinen Vertrauten das
Manöver bewertete. Als Hassan der Tafel näher trat, stand eine Wache auf und fragte nach seinen Absichten. Hassan erwiderte nur, dass er den König sprechen wollte, was ausreichte um an die Tafel des Königs vorgelassen zu werden. Nach einer herzlichen Begrüßung des Königs, nahmen alle an der Tafel des Königs Platz und tranken und aßen nach Herzenslust. Hassan und der König freundeten sich an. Das Thema Schmuck war dabei von besonderem Interesse, wie auch der gemeinsame Glaube, denn wie es sich herausstellte war der König der Südlande Moslem. Er bereitete außerdem einen Feldzug gegen die Ungläubigen vor. Die Stimmung war auf einem Höhepunkt, als das Gespräch von Hassan auf die Pferde gelenkt wurde. Hassan erzählte dem König von dem verschwinden der Pferde und der Trauer darüber. Dem König waren die Pferde bekannt und er ließ sie herholen, damit Hassan mit diesen direkt sprechen konnte. Hassan und Abu Wissam unterhielten sich daraufhin intensiv mit der Stute, die als erstes verschwand und erfuhren folgendes:
Als diese einen lieblichen Duft von frischem Gras aus den Feenlanden roch, floh sie und kam hierher. Da sie aber Sehnsucht nach ihrem Hengst hatte, kam sie wieder zurück und holte ihn. Diese wollte aber auch noch seine weiteren Stuten bei sich haben, weshalb sie dann auch diese in das Feenland holten. Alle Pferde seien freiwillig hierher gekommen und wollten auch nicht wieder zurück. Alle Versprechungen von Hassan und Abu über bessere Pflege und bessere Nahrung fanden kein Gehör.
Ohne etwas erreicht zu haben, außer daß man nun wußte was geschehen war, machte man sich auf den Rückweg. Noch bevor man die Brücke mit dem Golem wieder erreichte hatte, kam Pepo Luciano ein Kompromißvorschlag. Der Hengste sollte doch einfach jedes Jahr zum decken in das Menschenreich kommen, da könnte er dann seine Pflicht erfüllen und anschließend wieder zurück kommen. Dies wurde von Hassan als durchaus sinnvoll erachtet, weshalb man umkehrte und dem König den Vorschlag unterbreitete. Dieser fand den Vorschlag auch gut und man vereinbarte, dass sogar noch ein paar mehr Hengste mitkommen werden. Diese würden zur entsprechenden Zeit der Deckung sich zum Gestüt aufmachen, dort die Stuten decken und anschließend von einem Soldaten des Königs wieder ins Feenreich mitgenommen werden. Über diese Vereinbarung hocherfreut, versprach Hassan dem König ein besonderes Schmuckstück zu erschaffen.
Nach dieser Abmachung, verabschiedete man sich wieder vom König und die Gruppe aus Attrium reiste zurück ins Reich der Menschenkinder. Hassan informierte seinen Patron über alles. Dieser war zwar unglücklich über den Verlust der Stuten, sah aber ein, dass unter den gegebenen Umständen nicht mehr möglich gewesen war. Mehr sorgen machten ihm, dass es wieder vorkommen könnte und ein paar Pferde sich davon stehlen könnten. Hassan, zusammen mit seinem Patron, überlegten sich verschiedene Konzepte wie man das verhindern könnte und man kann davon ausgehen, dass so etwas vermutlich nicht wieder passieren wird. Großzügigerweise versprach Muhammad Larim, für die Hilfe die ihm gewährt wurde, ein paar der ersten Fohlen Attrium zu schenken. Überglücklich über dieses großzügige Geschenk machten sich Hassan und Pepo einschließlich ihrer Begleiter auf den Weg zu Teril Adan, da dieser die Zusage gemacht hatte, gegen einen landestypischen Gegenstand aus Galizien, würde dieser Attrium zu Informationen über Alexandria verhelfen.