Kapitel 31
Auszüge aus dem Tagebuch von Morvan Ex Flambeau (die Aufzeichnung an dieser Stelle weisen teilweise kleine Brandflecken auf)
Es erfüllt mein Herz mit Trauer und Zorn diese Seiten niederschreiben zu müssen, doch kann ich mir gar nicht vorstellen wie Hassan sich wohl im Moment fühlen mag.
Das Frühjahr neigte sich dem Ende zu und alle Mitglieder Atriums harrten der bevorstehenden Begegnung mit der "Königin". Die sich anbahnende Katastrophe war noch nicht abzusehen als drei Tage vor dem Fest Francesco schließlich eintraf. Es war eine Freude ihn wiederzusehen, offenbar schien ihm seine neue Rolle als Ritter sehr zuzusagen. Nachdem wir ihn über die Situation (einschließlich Pepo-Lucianos Theorie über über infernale Kräfte, die hinter dem Konflikt stehen könnten) ins Bilde gesetzt hatten, reagierte er höchst vernünftig und schien nicht gewillt zu sein mit dem Schwert das Blutvergießen auch noch zu fördern. Weiterhin führte Pepo-Luciano noch einige Untersuchung bezüglich des Schwertes durch und kam zu dem Ergebnis, dass selbst die Begleiter Francescos nicht in der Lage waren den heiligen Gegenstand zu handhaben.
Vielleicht hätte ich bereits mißtrauisch werden müssen als Coinneach uns in einige abstruse Verhaltensregeln einweihte, die wir am Hofe der Königin beachten sollten. So war es uns beispielsweise nicht erlaubt zu sprechen ohne direkt angesprochen zu werden, sowie weitere Demütigungen. Ach wie sehr dachte ich, dass ich diese Dinge hinter mir gelassen hätte ... wie soll jemals etwas Gutes aus absoluter Autorität gedeihen?
Pünktlich zu Midssommer, tauchte wie erwartet der Herold auf. Coinneach, Pepo-Luciano, Francesco, die vier Ritter die zu seiner Begleitung mitgekommen waren, sowie meine Wenigkeit folgten seiner Einladung und das Unglück nahm seinen Lauf...
Ich erspare mir die Schilderungen der hohlen höfischen Vorstellung und der Beschreibung des Festes und komme direkt auf jenen verhängnisvollen Moment, der mich wohl noch lange beschäftigen wird.
Also trat Francesco nun vor Königin und wir alle waren bis zum äußersten angespannt, schließlich hatte ich ihm damals in Lugo mein Wort gegeben, alles zu tun um zu Verhindern, dass ihm das Schwert gegen seinen Willen entwendet werden würde. Was jedoch tatsächlich geschah hätte ich mir niemals ausgemalt.
Falls ein Zauber auf Francesco gelegen habe sollte, ist dies niemandem von uns aufgefallen, aber weiß schon genau bescheid bei diesem Feenzauber ...
Jedenfalls überreichte Francesco ohne zu zögern das Schwert des heiligen Jakob der Königin des Nordwaldes. Ich war wie gelähmt, konnte vor Entsetzen nicht handeln und musste mit ansehen wie Francesco halbherzig darauf hinwies dass es sich um eine Leihgabe handele und einen Beutel mit Vis als Belohnung von der Königin erhielt. Zumindest wurde dem Ritter angeboten, er könne im Feenreich in der Nähe des Schwertes verweilen, was er auch direkt annahm. Daraufhin war die Königin auch schon mitsamt Schwert verschwunden und das Fest, diese sollte beginnen. Es gab nichts mehr was ich nun hätte tun können und in meiner Verzweiflung hielt ich mich an die berauschenden Getränke der Feen um zumindest für den Moment zu vergessen was vorgefallen war.
Am nächsten Tag zurück in Atrium fanden wir uns alles zu einer Sitzung ein. Doch, nicht dass man das weitere Vorgehen diskutiert hätte, nein!!! Für werten Herren Magier gab es nichts wichtigeres als die "Beute" zu inspizieren! Ich kann es immer noch nicht fassen, offenbar ist man hier in Atrium höchst zufrieden mit der Vis-Ausbeute. Ich selbst weiß gar nicht wieviel Vis unserer Gemeinschaft dieser Krieg wert war. Bezeichnenderweise hatte auch keiner meiner werten Kollegen den Mut Hassan über die Ereignisse des vergangenen Tages zu informieren.
Nachdem die "blutige" Beute nun gezählt war, ging man einfach zur Tagesordnung über. Ovotius berichtete über die Ergebnisse seiner Untersuchung des Ringes von Flagrare. Dieser diente wohl nicht nur der Kontrolle sondern auch der Herbeirufung von infernalen Kreaturen, was im Laufe der Untersuchungen wohl sogar passiert ist! Nach längeren Diskussionen wurde beschlossen den Ring vorerst zu verwahren ohne weitere Schritte zu ergreifen.
Endlich konnte ich mich zurückziehen, brauche ich doch eine Zeit des Nachdenkens. In was für eine Gemeinschaft bin geraten? War es meine Schuld? Hätte ich wirklich nicht mehr tun können?
Doch bleibt mir es mir noch vergönnt wenigstens ein glückliches Ereignis zu Papier zu bringen. Der von mir so hoch geschätzte Vassco tat seine Absicht Kund, mit der Tochter eines Sattlers in den heiligen Stand der Ehe zu treten. Ich wünsche den beiden von ganzem Herzen alles Gute hierfür. Ist dies vielleicht ein Zeichen, dass selbst in der dunkelsten Nacht ein Licht zu finden ist?
