Kapitel 35: Des Bischofs verschwundener Geldsäckel

Es trägt sich die seltene Gegebenheit zu, dass Lantos in Atrium vorstellig wird, um nach den hiesigen Magiern, allen voran den einstigen „Meisterermittler” Pepo Luciano, zu verlangen, und um sie um Hilfe in einer mondänen... nein, in einer sakralen Angelegenheit zu ersuchen. Vor rund zwei Wochen sei des Bischofs Geld während eines Transports von Santiago de Compostela nach Lugo sang und klanglos verschwunden und es sei freilich die eherne Pflicht eines jeden Christenmenschen, den Bischof in dieser Sache nicht in Regen und Kälte - und vor allem nicht mit leerem Geldsäckel - stehen zu lassen. Eine bereits im Vorfeld ausgeschickte Patrouille habe ermittelt, dass die Kurriere als letztes in Melide gesehen worden seien, bevor sie spurlos verschwunden sind.

Für Ruhm und Kirche

Für Ovotius und Pepo, beides bekennende Diener des Kreuzes, versteht es sich von selbst, diesem Hilfegesuch zu entsprechen und die Ermittlungen in Erwartung der Festigung ihrer rechtschaffenen Reputation aufzunehmen. Zu diesem Zweck reisen sie mit Lantos, dessen Begleiter Raoul, Rado, Vassco und Jose nach Lugo, und von dort aus weiter in Richtung Santiago. Vorsichtige Nachfragen der Grogs in Lugo ergeben keinerlei Hinweise auf den Verbleib des durchaus bekannten Kurrieres Manuel, eines wichtigen Repräsentanten des hiesigen Bischofs.

Dies ändert sich auch auf dem Weg nach Westen nicht, als Lantos verschiedene Händler nach Manuel befragt, wenngleich sie das Stattfinden des Marktes in Santiago, dessen Einnahmen von den Kurrieren für den Bischof eingesammelt werden sollten, bestätigen.

Einen halben Tag vor Melide entdecken Rado und Jose einen kaum wahrnehmen Abzweig von der Römerstraße. Sie erkunden die ersten hundert Meter und berichten, dass es sich bei dem Weg mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Umgehung handele, die im Falle von Brückenschäden oder Überspülung der Hauptstraße bei Winterregen genutzt werde. An ein Vorankommen mit dem mitgeführten Wagen in der dort gähnenden Wildnis sei nicht zu denken. Aus diesem Grund wird Raoul beauftragt, Wagen und Pferde zum letzten Gasthof zurück zu bringen und dort auf weitere Anweisungen zu warten. Die übrigen Ermittler kämpfen sich waghalsig durch Wald und Flur vor.

Durch Wald und Flur

Unter Zuhilfenahme von Magie (InAn) wird Ovotius auf ein einzelnes Pferdehaar in einem Strauch aufmerksam und ein artverwandter Spruch verschafft ihm ein deutliches, wenn auch erschütterndes, Bild von seinem (ehemaligen) Träger: das Pferd, bzw. dessen verwesender Kadaver, wurde regelrecht zerrissen und zerstückelt. Sollte es sich hierbei um eines der Rösser der Kurriere handeln, steht Schlimmes zu befürchten.

Nach dem Nachtlager auf einem, vor gar nicht all zu langer Zeit letztmals benutzten, Lagerplatz, im Verlaufe dessen Rado das markerschütternde Brüllen eines "Monsters" zu hören glaubt, wird der Weg auf der Umgehung in Richtung Ostnordost fortgesetzt.

Auf einer großen Lichtung wird ein Pferdekadaver gefunden, auf den Ovotius' Vision passen könnte. Desweiteren werden riesige Tatzenabdrücke, eine große, harte Schuppe sowie ein faustgroßer Klumpen einer klebrigen, weißen Substanz entdeckt. Sämtliche Versuche, die Substanz zu untersuchen, führen dazu, dass die jeweiligen Gegenstände oder Körperteile an ihr festkleben und sich nur unter der Anwendung von Magie oder übermenschlicher Stärke losreißen lassen. Mit Geduld und Geschick gelingt es schließlich, den Klumpen für die weitere Untersuchung in einen Sack zu befördern. Die Tatzenspuren führen von Nordwest nach Südost, wohin ihnen die eifrigen Ermittler vorsichtig folgen. Ovotius fühlt sich von den bislang zu Tage geförderten Indizien an die Begegnung mit Ishiroya erinnert.

Sackgasse ohne Ausweg

Man gelangt auf eine lang gezogene Lichtung, an deren gegenüber liegendem Ende eine Felswand aufragt. In Bodennähe gähnt eine Höhlenöffnung in der Größe eines kleinen Scheunentors, aus der - während die Ermittler noch beratschlagen - eine große Kreatur schlüpft und von dannen eilt. Man kommt überein, die Gelegenheit zu nutzen, die Höhle (den Drachenhort?) zu untersuchen. — Jetzt oder nie!

Von einem breiten, sich in die Tiefe des Berges windenden, Mittelgang führen zwei schmale Nebengänge ab, die die Schatzsucher jedoch rechts liegen lassen. Sie gelangen schließlich zu einer Höhle mit zwei großen Haufen: den bestialisch stinkenden Überresten equiner und humaner Kreaturen sowie einem kleinen Berg unterschiedlichster Schätze — Geld, Edelsteine, Schmuck sowie wertloser, metallisch glänzender Plunder. Bis auf Ovotius, der aufgrund eines kürzlich aufgetretenen, hermetischen Malheurs bei hellem Licht praktisch blind ist, und Vassco, der ihn führt und stützt, stürzen sich alle anderen mehr oder weniger würdevoll auf den Schatz, um eiligst ihre Taschen zu füllen. Lantos entdeckt ein Paar Satteltaschen, die die Identität der Opfer bestätigt: sie enthalten Papiere mit den Abrechnungen des Marktes von Santiago.

Jose, der am Höhleneingang Schmiere steht, schlägt Alarm. Hastig ziehen sich die Ermittler mit zum Bersten gefüllten Taschen in den hinteren Seitenarm des Hauptganges zurück. Rumpeln und Poltern deutet darauf hin, dass sich eine gewichtige Kreatur in das Innere des Berges vorarbeitet. Es folgt eine kurze Stille, dann markerschütterndes Brüllen, das den Fels erbeben lässt. Nach einem kurzen Schnüffeln hat die Kreatur den Seitenarm erreicht und beginnt damit, da sich der Zugang als zu schmal für ihren massigen Leib erweist, einen Teppich weißen Klebstoffes auf den ersten Quadratmetern Bodenfläche des Abzweigs auszulegen.

Die Ermittler müssen ernüchtert feststellen, dass der nach unten führende Gang bereits nach kurzer Zeit an einem, sich rasch verjüngenden, toten Ende endet. Das Transformieren von Stein in Erde (MuTe), die mit den Waffen der Grogs zur Seite geschaufelt werden soll, gestaltet sich ebenso mühevoll wie das vollständige Auflösen von Teilen der Felswand (PeTe). Damit wird guter Rat teuer, denn die Bestie lauert definitiv mit großem Appetit und Rachedurst irgendwo in der Nähe des Abzweigs. Sie trägt nicht nur ein massives Schuppenkleid, sondern besitzt, wie der fehl geschlagene Versuch, die gefundene Schuppe zu untersuchen, zweifelsfrei belegt, auch eine hohe Magieresistenz.

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