Kapitel 37
Auszug aus Morvans persönlichen Aufzeichnungen
Nach einer längeren Diskussion wie in der Drachensituation zu verfahren sei, ließ sich Ovotius nicht davon abbringen zusammen mit Vascco den Rückweg nach Atrium anzutreten. Offenbar waren ihm seine Studien doch wichtiger als die aktuelle Notlage. Somit blieben noch Lantos, Bastus, Sancho, Emilio sowie Swassik, ihre acht Söldner die alle beschlossen das Untier jagen zu müssen. Was sollte ich denn tun? Sollte ich sie wirklich alleine in ihr Unglück laufen lassen? Natürlich bin ich geblieben, jedoch gefällt es mir nicht welchen Einfluss dieser Lantos auf die Angehörigen Atriums ausübt. Nun wurden verschiedenste Pläne erörtert wie das weitere Vorgehen zu gestalten sei. Man beschloss eine Ziege als Köder einzukaufen und außerdem noch aus Brettern, Türen und ähnlichem notdürftig improvisierte Schilde gegen den Klebstoff zu zimmern. Schließlich entschied sich Bastus auch noch aus Tauen eine Schlinge zu knüpfen.
Wir drangen also zur Drachenhöhle vor und positionierten uns dort. Lantos, Bastus und ich warteten oberhalb des Höhleneingangs auf der Hügelkuppe während sich der Rest vor der Höhle aufstellten und zusahen wie Swassik die Ziege festband. Sogleich griff das Ungetüm an. Von nun an ging alles unglaublich schnell. Swassik floh vor dem heranstürmenden Wesen, der Rest mit Bögen das Feuer eröffnete. Bastus warf seine selbstgemachte Schlinge aus, verfehlte aber und stürzte sich sogleich mit seiner Axt auf den Wurm, Lantos begnügte sich damit Befehle zu Brüllen, die niemand wirklich wahrnahm und ich begann mit meinen begrenzten Möglichkeiten meine Magie gegen den Drachen zu schleudern. Unterstützt durch eine arkane Verbindung war es mir zumindest möglich die Aufmerksamkeit des Biestes allein auf mich zu ziehen, weshalb es auch sofort kehrt machte sich selbst auf die Höhle schwang sich auf mich stürzte. Ein weiteres mal bemühte ich mich mein Feuer gegen das Wesen schleudern, doch gleich darauf wurde ich auch schon von seiner Pranke getroffen. Daraufhin ging ich zu Boden, ein letztes mal wollte ich die Flammen heraufbeschwören, konnte mich aber vor Schmerzen nicht mehr konzentrieren. Ich konnte Bastus. Sancho und die anderen noch heraneilen hören, doch als das Monster sich nach ihnen umdrehte war das letzte was ich sah den riesigen Hinterlauf auf mich zukommen.
Einige Tage später erwachte ich in Lugo im Hospiz der Schwestern der Stille. Man erzählte mir, dass ich sehr schwer verletzt von meinen Freunden hier abgeliefert worden sei und, dass ich mich ungewöhnlich schnell erholen würde. Trotzdem müsste ich noch einen Monat verbeleiben. Nach einigen Tagen bekam ich Besuch und zwar ausgerechnet von Lantos der mich endlich ins Bild setzte. Erst jetzt erkannte ich das Ausmaß der Katastrophe. Offenbar ist gelungen den Wurm zu besiegen, doch da Ovotius uns leider schon vorher verlassen hatte fehlte eine Vertretung der Interessen Atriums. Der beträchtliche Drachenhort wurde unter gleichen Teilen unter allen Beteiligten aufgeteilt (einschließlich der acht Söldner). Die Möglichkeit die angeschlagenen Finanzen Atriums zu sanieren oder die lange geplante Expedition zur Suche nach der Bibliothek von Alexandria zu anzugreifen dürfte damit vom Tisch sein. Auch der Kadaver des Drachen wurde nicht etwa fachgerecht auf Vis untersucht, nein man trennte einfach den Kopf ab um ihn dem Bischof als Trophäe zu präsentieren. Als Ovotius Wochen später den Schädel in die Hände bekam war bereits alles zu spät. Dieser stellte auch umgehend Swassik zur Rede und forderte die Hälfte des Schatzes für Atrium, doch statt nachzukommen löste sich die Söldnertruppe nach und nach auf.
Etwa zur selben Zeit, es muss wohl kurz vor meinem eigenen Eintreffen in Atrium gewesen sein, tauchte auch Pepo-Luciano wieder auf und erzählte eine haarsträubende Geschichte von Dämonen, die in Santiago de Compostela Kinder entführen und in die Sklaverei verkaufen würden. Es mag sogar etwas dran sein, erinnert mich diese Geschichte doch sehr an De Marcus. Die genauen Details blieb Pepo uns jedoch schuldig, denn er hatte es scheinbar sehr eilig nach Santiago zurückzukehren.
Kurz nach meiner Rückkehr sprach ein gewisser Ramirez vor, er stellte sich als Mitglied der Königlichen Garde vor und verlangte "den Zwerg" zu sprechen. Ich heuchelte zunächst Unwissenheit, doch Ovotius meinte Hassan könnte seine Probleme schon selbst in die Hand nehmen und dieser Ramirez war offenbar des lateinischen durchaus mächtig.
Ich für meinen Teil, habe die letzten Tage, das Sanktum kaum verlassen. Eine düstere Stimmung macht sich diese Tage in Atrium breit. Meine Wunden sind noch immer nicht ganz verheilt, kürzlich hat uns auch noch Ovotius verlassen. Er ließ durch einen Brief (Ovotius Brief) ausrichten, dass er gedenke sein Glück als Wandermagus zu suchen. Wie sehr hoffe ich doch, dass er diese Entscheidung noch einmal überdenken mag. Da Coinneach irgendwo im Feenreich unterwegs ist, scheinen die Gänge Atriums fast wie ausgestorben.
Aber was gräme ich mich, meine Seite schmerzt schon wieder deutlich weniger als noch vor einigen Tagen, und ich bin auch zuversichtlich, dass in diese Hallen wohl auch bald wieder mehr Leben einkehren wird.