Kapitel 6: Das Sammeln der Silbernen Schilde
(Ein Erlebnisbericht des Herbergswirtes Emilio Esteban Perrez)
Wie Ihr Euch sicherlich erinnert waren wir also nach der Begegnung mit dem Drachen in das Höhlenlabyrinth eingedrungen.
Bereits zwei Schilde mit seltsamen Symbolen unser Eigen nennend stand uns wieder einer dieser silbernen Brüder gegenüber. Offensichtlich der Wächter eines hölzernen Tores, welches den Weg zurück ans Tageslicht versperrte. Auch jener bewehrt mit Schwert und einem ähnlichen Schild.
Angesprochen gab er nur einsilbig Auskunft. Uns würde wohl Durchlass gewährt, allerdings erst nachdem wir gemeinsam an einem Tau gezogen hätten welches mittels eines ehernen Ringes am Tor befestigt war und dass es außer ihm noch sechs andere „Wächter“ gäbe.
Uneins darüber ob erst der Rest der Höhle erforscht oder gleich die Öffnung versucht werden solle, diskutierte ich mit den beiden Magi.
Angesichts der argen Zögerlichkeit Ovotius konnte ich mein loses Mundwerk nicht im Zaume halten, was mir eine unangenehm juckende Stelle am Allerwertesten einbrachte.
Verärgert über diesen magischen Angriff machte ich mich sodann alleine auf den Rückweg. Einzig Coinneach zuliebe schluckte ich meinen Zorn und wir erforschten gemeinsam die restlichen Gänge.
Als klar wurde dass es nur noch die Möglichkeiten des Verlassens (durch die eine oder andere Öffnung) gab, beschlossen wir es nun mit dem Seil zu versuchen.
Tatsächlich gelang es ohne größere Anstrengung das Tor zu bewegen.
Worauf der Silbermann verschwand und sein Schild zurückließ.
Genauer betrachtet konnte ich erkennen dass das jeweilig mittlere Zeichen eine verschlüsselte Ziffer darstellte.
Hinter dem Tor fanden wir ein faszinierenden Talkessel vollständig umgeben mit steilen Felswänden, in ihm ein idyllisch gelegenes Dorf mit Feldern und Plantagen.
Auf dem Weg dorthin kam raschelnd ein kleines Mädchen aus den Büschen gekrochen, welches mich um Hilfe bat.
Ihre zahme Maus war entwischt. Als erfahrener Jäger, war es mir natürlich ein Leichtes das Tier wieder einzufangen. Als doch schon wieder so ein schildtragender Geselle des Weges kam und dies zurücklassend verpuffte.
Die Gelegenheit nutzend einen gesprächigeren Menschen gefunden zu haben, befragten wir die kleine Maria nach dem Dorf und den Silbernen, was darauf hinaus lief dass wir uns den Dorfältesten suchend wieder auf den Weg machten.
Am Ortseingang wurden wir von einem überwältigenden Duft nach allerfeinstem Backwerk aufgehalten. Sogleich an unsere bereits etwas länger zurückliegenden Mahlzeit erinnert schwenkten wir wie auf Kommando in Richtung des Wohlgeruches.
Der Bäckermeister hatte sogleich eine „silberne Aufgabe“ für uns parat. So sollte einer von uns ein Päckchen zu seinem Bruder am anderen Ende des Dorfes bringen.
Nachdem ich mich sogleich auf dem Weg machte wurde ich unweit der Backstube von einem Kerl angehalten welcher mir 200 Silberstücke die Sendung bot. Aber bereits ahnend dass uns dies dann wohl die ausstehenden Schilde kosten würde, konnte ich dieser Versuchung widerstehen. Und tatsächlich konnte ich nach Ablieferung des Päckchens mit einem weitern Schild zurückkehren.
Ausgiebig gesättigt fanden wir uns sodann beim Ältesten ein. Dort bekamen wir außer den restlichen beiden Schilden (für die Hilfe beim Gärtnern und für die Lösung eines Mordfalles) ein außerordentliches Bier serviert, welches der Sohn des Hauses selber braut.
Wohl wissend was so ein außergewöhnlicher Tropfen an Gewinn bringen kann, knüpfte ich sogleich Kontakte zur zukünftigen Belieferung meiner Herberge.
Da wir nun wussten was die Symbole in der Mitte darstellten, half uns eine anderes Dorfmitglied mit der offensichtlich arabischen Schrift auf den Schilden. In der Reihenfolge von 1 bis 7 stand darauf geschrieben:
Laut tönt der Donner
Durch den Vorhang hindurch
Die Zähne werden nicht beißen
Das Licht wirft Schatten
Das Loch ist tief
Der Weg ist niemals recht
Das Zeichen fehlt zum Ziel
Am nächsten Morgen führte uns unser Gastgeber zu einem Wasserfall, an dem wir das weitere finden würden.
So war es dann auch, hinter dem donnernden Vorhang aus Wasser fanden wir eine Höhle. Diese verzweigte sich in drei Gänge, von denen der linke mit Zähnen aus Tropfsteinen versehen war, der Schatten eines besonders hervorstechenden Steines führte uns zu einem Durchgang mit einem tiefen Loch. Nach unten abgeseilt wieder eine Gabelung mit zwei Alternativen. Abermals nach links gewand standen wir nun vor einer Wand.
Ovotius hatte den richtigen Einfall es mit dem Zeichen der 8 (ähnlich dem der anderen Ziffern auf den Schilden) aufgemalt mit dem Ruß der Fackel zu probieren und wir waren am Ziel!
Eine Spukgestalt materialisierte vor unseren Augen und verteilte nach Befragung von mir und meinen Begleitern Teile seines Schatzes.
Ovotius erhielt ein Pergament, Coinneach ein Armband, ich selbst eine Waage und schließlich unsere treuen Grogs ein Fässchen mit einer flüssigen Füllung. Dankbar verabschiedeten wir uns und ließen uns nur zu gerne wieder vor dem Wasserfall bringen. Ein wahrlich schauriges Gefühl von diesem Geist berührt und transportiert zu werden, brrrrr.
Im Ort zurück machte ich das Geschäft mit dem Brauer perfekt und freue mich sehr in zwei Wochen das erste Fass des Gerstensaftes geliefert zu bekommen.
Wieder vor dem ganzen Komplex bei den Duolithen trafen wir nach kurzer Suche die im Stein versunkene Ishiroya.
Doch der abermalige Versuch Coinneachs das Drachenwelpe „loszuwerden“ schlug auch diesmal fehl. Das Kleine wurde sodann durch eine ziemlich außergewöhnliche Zeremonie auf den Namen Fionntan „getauft“.
Darauf machten wir uns auf den Weg nach Atrium.
Dort stellten wir fest dass meine Waage die magische Fähigkeit besitzt wertvollere Waren durch wiegen zu erkennen.
Ein paar Erfahrungen, ein besonderes Instrument und einen Lieferanten reicher machte ich mich auf den Weg zurück zu Herberge und Geschwistern und bin nun gespannt was der nächste Ruf nach Atrium bringen wird.
— Emilio E. Perrez