Spätsommer und Herbst 1201
Wie die Magi Atriums den Spätsommer und Herbst 1201 verbringen.
Die jungen Magi bringen die Zeit des späten Sommers weitestgehend mit der Einrichtung ihrer Labore zu und geben sich, so sie letzteres erfolgreich hinter sich gebracht haben, mit dem Herannahen der bunten Jahreszeit ihren privaten Studien hin. In diesem Zusammenhang erweist sich die von Darius in der Bibliothek sicher gestellte Sammlung an Lehrmaterial als außerordentliche Fundgrube.
Ende August 1201 taucht ein Redcap in Atrium auf, der sich den Magi als Politropos vorstellt. Er ist ein Mann mit vergleichsweise dunklem Teint und spricht Latein- sowie all die anderen Sprachen, die er beherrscht, mit einem deutlich wahrnehmbaren Akzent. Er erkundigt sich insbesondere nach Estephan, seinem Vorgänger, der innerhalb des Hauses Mercere seit geraumer Zeit als vermisst gilt und bittet die Magi, im Falle eines Hinweises auf seinen Verbleib Meldung in der Niederlassung in Lacronia zu machen. Er überbringt Darius einen Brief, der den frisch gebackenen Bibliothekar auf das Geheiß seines Paters hin von der neuen Stelle des Schaffens abberuft und nach Hause zurück beordert. Politropos verweilt drei Tage in Atrium, um sich daraufhin mit den, ihm übergebenen, Briefen und Depeschen der Magi Atriums erneut auf den Weg in die weite Welt zu machen.
Mitte September stellt sich ein etwa 20-jähriger Magus, Beppolutiano Filius Cornelius, ein Criamon aus Genua, bei Quemada vor. Seine Haut ist großflächig mit symmetrischen Tätovierungen bedeckt, die insbesondere arkane Symbole darstellen. Er gibt sich weltoffen und benutzt während der Konversation mit seinen Gesprächspartnern gerne seine Hände, um seinen Worten zusätzlichen Ausdruck zu verleihen. Wie seine drei jungen Kollegen zwei Jahreszeiten vor ihm, ist auch er der Ausschreibung Quemadas nach freien, zu besetzenden, Stellen in Atrium gefolgt. In den Augen des zusammen tretenden Magierrates stellt Beppolutiano eine interessante Bereicherung des derzeitigen Wissensspektrums dar und wird in der Folge als Mitglied in Atrium aufgenommen.
Am darauffolgenden Abend, nachdem Beppolutiano von Quemada herumgeführt und mit den wichtigsten Örtlichkeiten vertraut gemacht worden ist, tritt der Magierrat erstmalig in seiner neuen Besetzung zusammen. Als Tagesordnungspunkte werden vor allem eine mögliche Expansion der jährlichen Vis-Ernte- sowie die wichtigsten Frühlingsereignisse mit ihren eventuellen unmittelbaren und langfristigen Auswirkungen auf Atrium diskutiert.
Zum ersten Punkt kommt man nach langem Hin- und Her überein, dass Atrium seit geraumer Zeit unsagbares Glück für sich verbuchen konnte - Glück, dessen Fortbestand man in der Zukunft keinesfalls als gegeben und sicher hinnehmen dürfe, wie die Einbußen der Vis-Ernte der letzten Saison zeigen. Man diskutiert auch die damit in Zusammenhang stehende Möglichkeit, an der Erweiterung des bundeseigenen Vermögens zu arbeiten, um sich durch die Anhäufung monetärer Barschaft möglicherweise langfristig in Form von Expeditionen, Forschungen oder Einkäufen neue Vis-Quellen erschließen zu können. Alles in allem werden die diskutierten Maßnahmen jedoch zunächst zurückgestellt, da man in der derzeitigen Phase des Umbruchs und der Unwägbarkeiten erst einmal verschiedene bevorstehende Entwicklungen abwarten müsse.
In diesem Zusammenhang ebenso wie im Bezug auf die wichtigsten vorgefallenen Ereignisse des letzten halben Jahres bereitet dem Rat vor allem der Vorfall mit dem törichten Verhalten und Tod Flagrares Kopfzerbrechen. Sogar Quemada räumt ein, dass das Verhalten des sich ausschließlich aus Mitgliedern des Hauses Flambeau zusammen setzenden Bundes Jeveria, dem Flagrare angehörte, durchaus als unberechenbar einzustufen sei und dass man folglich in nächster Zeit in Richtung Toledo beide Augen offen halten müsse. Direkte Übergriffe seien weniger zu befürchten, als vielmehr die Möglichkeit konspirativen Vorgehens gegen Atrium - warum und aus welchen Gründen auch immer.
Der Beginn der Herbstsaison, zur Sonnenwende am 21. September, wird durch einen weiteren Besuch Politropos' eingeläutet, der erneut Post zustellt und in Empfang nimmt.
Das Amt des neuen Hauptverantwortlichen für die Bibliothek wird mittlerweile von Ovotius bekleidet, der mit professioneller Engstirnigkeit die Sichtung und Ordnung von Darius' Vorsondierung abschließt. Auf diese Weise stehen den Magi während des kommenden Quartals eine Reihe geschriebener Werke zur Verfügung, die sie nur all zu gerne in ihre Studien mit einbeziehen.
Im Spätherbst stattet eine Nonne des Ordens der Schwestern der Stille Atrium einen Besuch ab. Sie stellt sich als Schwester Anna vor. Die Schwestern der Stille hätten sich vor allem der Pflege und Versorgung von Verletzten verschrieben, worunter Pilger und Bedürftige gleichermaßen fielen. Von dieser Fürsorglichkeit konnten sich die Magi bereits während ihrer Reise nach Lugo überzeugen, wo im Falle eines durch Straßenräuber verletzten Händlers drei der Schwestern, unter ihnen Anna, zur Hilfe eilten. Der Orden plane nun nahe der Römerstraße ein neues Haus zu errichten zu dessen Bau vor allem handwerkliche Hilfs- und Arbeitskräfte gebraucht würden, die beizusteuern sie nun die größeren örtlichen Institutionen im Name Christi bittet. Nach kurzer interner Absprache sichert man ihr zu, dem Orden nach Abschluss der eigenen Heuernte zeitweise einen Großteil der eigenen Arbeitskräfte zu überlassen.
Ende Oktober erreicht ein Tross von neun Bewaffneten, acht Männer geführt von einer Frau, Artium. Die Frau bittet in gebrochenem Galizisch und Latein darum, Quemada sprechen zu dürfen, deren Namen und Stellung sie von Politropos erfahren habe. Sie selbst stellt sich als Swazzik vor, die für sich und ihre Söldnergruppe eine Anstellung suche. Sie sei in einem Covenant aufgewachsen und habe daher Erfahrungen mit den besonderen Erfordernissen und Notwendigkeiten, die an einem solchen sensiblen Ort von Nöten seien. Ihr Trupp besäße die nötige Kampferfahrung aus mehreren Schlachten und Scharmützeln, die sie, ebenso wie Disziplin, bereit wären mit beinahe unbedingter Loyalität in den Dienst Atriums zu stellen.
Die interne Diskussion darüber, ob und unter welchen Umständen man eine derart große Schar von Kämpfern beschäftigen sollte, erweist sich als langwierig. Schließlich wird Swazzik vor den Rat der Magi geladen und unter dem Einfluss eines (verpatzten) Wahrheitszaubers direkt befragt. Nach einer weiteren internen Diskussion kommt man überein, dass Atrium bereit sei, dem Trupp für die Dauer eines halben Jahres das Salär gewöhnlicher Dienstkräfte zu zahlen, sofern sich die Neuankömmlinge mit verschiedenen Arbeiten, unter anderem dem Training der hiesigen Grogs, verdient machten. Darüberhinaus müsse Swazzik mit dem Abschneiden einer Haarlocke, die sie für die Dauer der Anstellung an die Magi zu übereignen habe, ihren Kontrakt bekräftigen. Die junge Frau tut dies zähneknirschend und wird daraufhin zusammen mit Friedrich mit der Kampfausbildung der nun mehr als verdoppelten Verteidigungskräfte Atriums betraut.