Kapitel 9: Wintersonnenwende 1201

Aus dem Tagebuch des Ovotius, Filius Deneghra, ex Bonisagus.


Nach den Vorfällen der letzten Tage hat der ehrwürdige Fulbertus doch noch eingelenkt und die Zwillinge nach Duresca zurückgebracht. Bei einem so angesehenen Mitglied unserer Gemeinschaft habe ich auch nichts anderes erwartet. Tordus ist sodann nach Jaferya abgereist. Ich selbst konnte von Baruch hilfreiche Schriften über den Codex des Ordens erlangen, die ich als Gegenleistung für einen künftigen Dienst sogar mit nach Atrium nehmen darf. Erfreulicherweise erlaubt mir das die Teilnahme an dem jährlichen Fest und Ritual zur Sonnwende, das auch das Wirken der „Aegis of the Hearth“ mit einschließt. Daher verschwende ich keine Zeit und reise mit Soazig und den Grogs ab.

In Atrium erwarten uns bereits Neuigkeiten:
Qemada war bereits vor ein paar Tagen von ihrer Reise nach Santiago zurückgekehrt. Als sie von Hassan erfuhr, was in bezug auf Tordus passiert war, war sie bestürzt. Die Zwillinge sind ihre Enkelkinder! Deswegen war sie nach Santiago gereist, da diese entführt worden waren. Ursprünglich hatte sie vor, die Kinder selbst auszubilden. Sie will deshalb nach Jaferya reisen, um mit Tordus zu verhandeln.
Außerdem hat einer der Bediensteten am Rand des Springbrunnens eine hölzerne Figur gefunden, die grob aber handwerklich sauber gearbeitet ist und einen Mann mit ausgebreiteten Armen darstellt. Eine Untersuchung durch Coinneach mit „Intellego Herbam“ ergibt, dass die Figur zwischen 1 und 40 Jahren alt sein soll. Besondere Zeichen o.ä. sind nicht auf ihr zu erkennen, auch mit hermetischer Magie scheint sie nicht verzaubert zu sein. Am Rande zettelt Hassan mit Beppo Luciano eine religiöse Diskussion an. Ich denke, Hassan wird es gut tun, unter Christen zu leben, ebenso wie Coinneach. Vielleicht schließen sie sich sogar eines Tages der wahren Kirche an. Aber ich will mich am Beispiel Bonisagus orientieren, der große Toleranz gegenüber allen Weltanschauungen vorgelebt hat.

Nach einem köstlichen Mahl wird am Tag der Wintersonnwende (21.Dezember) die traditionelle Ratssitzung abgehalten. Qemada, Fulbertus, der Majordomus, Beppo, Hassan, Coinneach und ich selbst nehmen teil. Qemada will über Vergangenes und Zukünftiges sprechen. Sie begrüßt nochmals alle neuen Magi und lässt die vergangenen Ereignisse Revue passieren.
Die Sitzung wird dann unterbrochen, um die Aegis durchzuführen. Welch erhabenes Gefühl, an diesem Ritual erstmalig selbst teilnehmen zu dürfen, dass seit Jahrhunderten so praktiziert wird und eine der Säulen unseres Ordens darstellt!
Danach wird über die Zukunft diskutiert:
Die hölzerne Statue scheint doch irgendwie verzaubert zu sein; sie senkt ihre Arme langsam, aber stetig. Nach einigen Wortwechseln und ergebnislosen Untersuchungen von Hassan und Fulbertus wird sie mit dem Gesicht nach Norden wieder an ihrem ursprünglichen Standort platziert.
Ich präsentiere die Schriftrolle, die ich von dem Geist geschenkt bekam. Ich konnte sie entschlüsseln, was auf einen großen Wissensschatz hindeutete: Bücher aus der Bibliothek von Alexandria. Da die Bergung größere Gelder verschlingen wird, wurde eine Expedition vorerst zurückgestellt.
Zur langfristigen monetären Sicherung soll eine Bierbrauerei eingerichtet werden. Hassan ist dafür verantwortlich, einen Lehrling auszuwählen, der im Tal der sieben Schilde zum Braumeister ausgebildet werden soll. Der Verkauf magischer Gegenstände wurde verworfen.
Coinneach wird von Qemada dauerhaft zu Ihrem Stellvertreter ernannt, insbesondere im Hinblick auf ihre Reise nach Jaferya hält sie dies für nötig. Ich muß zugeben, dass Coinneach bisher großes diplomatisches Geschick an den Tag legte und für die Aufgabe geeignet scheint, auch wenn er selbst sehr bescheiden ist.
Es wurde beschlossen, dem Verschwinden des Redcaps Estefan doch auf den Grund zu gehen, um auch weiteren Verlusten/ Gefahren in dieser Richtung begegnen zu können.
Die Ratssitzung wurde sodann geschlossen.

Endlich das Fest! Wunderbare fremdartige und seltene Speisen erwarten uns an der liebevoll dekorierten Festtafel! Alle scheinen fröhlich und ausgelassen, singen und tanzen. Insbesondere Coinneach scheint in seinem Element. Die Situation ist schwierig für mich, also spreche ich wie Beppo dem Wein zu. Fion Tann fischt sich unterdessen eine Köstlichkeit nach der anderen. Etwas viel Freiheit für meinen Geschmack, aber es entsteht kein Schaden. In den frühen Morgenstunden löst sich die Gesellschaft dann doch auf.

In den nächsten Tagen wenden sich alle ihren eigenen Tätigkeiten zu: Qemada reist ab Richtung Jaferya, Hassan studiert in der „Kunst des Befehlens“, Beppo weiter in die „Grundlagen der Magietheorie“, während ich die Schriften aus Duresca zur Hand nehme. Coinneach wollte sich in den Dienst des Bundes stellen und beginnt mit Experimenten an einem Spruch, der uns Seereisen erleichtern soll.

Noch im Januar erhalten wir Besuch von Politropos, dem Nachfolger Estefans. Wir erfahren, dass Estefan auf dem Weg von Jaferya nach Atrium zuletzt gesehen wurde (in A Coruna)! Angesichts dieser überraschenden und bedrohlichen Neuigkeit beschließen wir, sofort eine Gruppe unter Leitung Beppos loszuschicken, um der Lage auf den Grund zu gehen. Beppo, Emilio, Bastus und die Grogs Francesco und Sancho brechen auf nach Lugo, um dort Lantos zu treffen, der Atrium in dieser Angelegenheit helfen soll…

Genug geschrieben, meine Augen schmerzen schon. Zeit mich in mein Lager zu begeben…

O.

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